Die Würde des Menschen ist unantastbar

Es tat gut zu sehen, wie viele Menschen es am Samstag, dem 20. Januar 2024 vor das Rathaus in Westerland getragen hat. Wie vielen Menschen es wichtig war, Flagge zu zeigen gegen die unsäglichen Fantasien, die gerade ihre Runde machen. Im Nachgang teilen wir hier noch einmal Geoffreys Rede vom Samstag.

Die Würde eines Jeden

In Zeiten, wo gewählte Politiker*innen offen von der „Entsorgung“ von Menschen sprechen, wo auf Treffen die Deportation von ganzen Bevölkerungsgruppen geplant wird, wo eine ganze Generation über die sozialen Medien mit kleinen Fakenews Filmchen auf Feindbilder geprägt werden soll, können und dürfen wir nicht schweigen

In einem Land, in dem es uns gut geht, das uns politische Partizipation, Freiheit, Sicherheit und soziale Sicherungssysteme gibt, rütteln Menschen an den Grundsätzen unserer Verfassung.

Wir haben in Deutschland unsere Erfahrungen damit gemacht, was es heißt, Menschen ihre Menschlichkeit abzuerkennen. Wir wissen, wie brutal und schrecklich eine Gesellschaft ist, die in werte und „unwerte“ Menschen unterteilt. Wir wissen, welch entsetzlichen Schrecken die Umsetzung dieser Parolen bedeutet.

Umso wichtiger zu zeigen, dass die Lehren, die wir aus der schrecklichen Zeit gezogen haben, weiterhin aktuell sind. Dass wir hinter der wunderbaren Liebeserklärung stehen, welches dieses Land an die Menschen macht, die hier leben. Indem es sagt: „Jeder Mensch ist wertvoll, ohne Ansehen von Geschlecht, Herkunft oder Sprache“. Diese Würde, dieser Wert ist unantastbar. Und als Staat, als Gemeinschaft legen wir uns die Pflicht auf, diese zu achten und zu schützen.

Es ist unglaublich wertvoll, diese Botschaft nach draußen auf die Straße zu tragen, wie es gerade an diesem Wochenende in vielen anderen deutschen Städten passiert. Aber dies ist nicht nur eine Zeit für große Gesten, sondern vor allem eine Zeit für die kleinen Helden. Die diejenigen, die nicht in einer großen Gruppe die Botschaft auf die Straße tragen, sondern von vielen ungesehen für unsere offene und demokratische Gesellschaft kämpfen.

Diejenigen, die im Pausenraum der Firma dazwischen gehen, wenn am Nachbartisch rassistische Gemeinplätze lauter werden. Diejenigen, die beim Familienfest, in der Schule oder im Supermarkt Stellung beziehen, wenn der jemand davon fabuliert, dass mit einer Partei wie der AfD ja alles besser würde, diejenigen, die aufschreien, wenn eine Gruppe Jugendlicher meint, unbehelligt rechte Parolen rufend durch die Innenstadt stromert. So etwas erfordert Mut. Und so etwas erfordert Kraft. Doch in Zeiten wie diesen bringt uns Schweigen nicht weiter.

Dies ist eine Zeit, in der wir die demokratischen Parteien an ihre Verantwortung erinnern müssen. Manch eine und manch einer meint, Stimmen am rechten Rand zu sammeln. Und manchmal fühlt sich die Politik gedrängt, den unmenschlichen Forderungen nachzugeben. Zuletzt zeigte sich das am Donnerstag mit der Verabschiedung eines Gesetzes, das massive Einschränkungen in die Grundrechte von Menschen vorsieht, die bei uns Schutz suchen.

Lasst uns der Politik den Rücken stärken, eine klare Kante zu zeigen, anstatt den Forderungen nach weniger Menschlichkeit recht zu geben. Menschenrechte für alle Menschen sind die Grundvoraussetzung für unsere Demokratie.

Wenn wir weiterhin in einer freien und offenen Gesellschaft leben wollen, die auf der Grundlage gebaut ist, dass Du und ich, jeder in der Gesellschaft wertvoll ist und dass nichts und niemand diesen Wert infrage stellen kann und darf, dann müssen wir dafür kämpfen. Und deswegen lasst uns gegenseitig Mut machen und lasst und gemeinsam dafür streiten. Im Großen, aber auch im Kleinen. Für eine Gesellschaft, die auf dem Grundsatz der Freiheit, Gleichheit und dem Wert eines jeden Menschen ruht.