Fest für Demokratie

Anlässlich des 75. Geburtstages des Grundgesetzes haben in Husum zahlreiche Vereine, Verbände und Institutionen, von der Aidshilfe bis zur Volkshochschule, gemeinsam mit allen demokratischen Parteien zu einem „Fest für Demokratie“ auf den Husumer Marktplatz eingeladen – und viele, viele Menschen sind zu diesem bunten Treiben gekommen.

Der Marktplatz wurde mit vielen bunten Ständen, Mitmachaktionen, einer Hüpfburg und Filmvorführungen zu einem großen Markt der Möglichkeiten, sich in Nordfriesland für Miteinander und Gemeinsamkeit, gegen Ausgrenzung und Hass, zu engagieren. 

An einem Stand wurden beispielsweise alle Artikel des Grundgesetzes kurz vorgestellt und man hatte die Möglichkeit, über seinen Lieblingsartikel abzustimmen. Gewonnen hat dabei Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Dieser ganz zentrale Punkt ist eine Haltung und eine immer gültige und verlässliche Größe für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Um das gemeinsame Arbeiten und das Miteinander in den Parlamenten zu verdeutlichen, haben sich die regionalen Abgeordneten aus Bundestag, Landtag und Kreistag jeweils an gemeinsamen Ständen präsentiert und darüber informiert, wie die verschiedenen Ebenen der Politik miteinander verzahnt sind, und dennoch in ihren Aufgaben klar gegliedert arbeiten.

Begleitet wurde das Ganze von einem dreistündigen Bühnenprogramm.

Vor Beginn des Festes sprachen Vertreterinnen und Vertreter verschiedenster Religionsgemeinschaften auf Einladung von Pastor Magaard bei einem interreligiösen Gottesdienst über das, was sie eint.

Durch das Bühnenprogramm führte Urte Andresen, vom Verein „Fremde brauchen Freunde“, der die Kundgebung maßgeblich organisiert hat. Schirmherr war der Landrat, Florian Lorenzen, der in seiner Begrüßung deutliche Worte gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit fand und seine Bestürzung darüber, dass dies in Teilen der Gesellschaft offenbar gängiges Gedankengut ist, zum Ausdruck brachte.

Bei einer Podiumsdiskussion mit dem Journalisten Christian Jakob von der taz, der Multiplikatorin für Partizipation in Kindergärten und Schulen, Kari Bischof-Schiefelbein, dem Kreispräsidenten Frank Zahel und dem Landrat Florian Lorenzen wurde deutlich, wie vielfältig Demokratie wirkt und wie sie in den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen umgesetzt wird. 

Dennoch geraten demokratische Strukturen in Europa, aber auch weltweit, immer mehr unter Druck oder werden, beispielsweise in Ungarn, abgebaut und sind gefährdet. Auch in Deutschland wird debattiert, wie sich demokratische Strukturen sichern lassen. Alle vier Diskutant*innen machten deutlich, dass sie eine Gefährdung der Demokratie in ihren Arbeitsbereichen wahrnehmen und wie sie gegen diese anarbeiten. 

Musikalisch wurde das Fest durch die Auftritte des ukrainischen Chors und der Big Band der Theodor-Storm-Schule unter Leitung von Julian Gunkel ergänzt. Obwohl am Ende der Kundgebung Regen einsetzte, harrten viele Menschen unter den Bäumen und in Pavillons aus und es wurde sogar ausgelassen auf dem Marktplatz getanzt.

In ihrem Schlusswort zitierte Urte Andresen aus der Rede von Gerhard Baum anlässlich der Veröffentlichung des Grundrechtereports: „Nur wer selbstkritisch ist, ist auch glaubwürdig.“ Sie folgerte: „Um diese Glaubwürdigkeit scheint es, nach allem, was wir heute gehört haben, an vielen Stellen zu gehen. Seien wir selbstkritisch, verteidigen wir gemeinsam die große Freiheit, die uns unser Grundgesetz ermöglicht. Zeigen wir uns offen und tolerant und haben wir den Mut, überall dafür einzustehen, auch und gerade, wenn uns andere Meinungen vielleicht nicht so gefallen. Aber widersetzen wir uns konsequent der Ausgrenzung, dem Hass und dem dumpfen Gedröhne der rechten Menschenverächter.
In diesem Sinne: Machen wir uns gemeinsam auf den weiteren Weg und lassen wir nie nach!“