72 Stunden ohne Strom und Fähre

Die Krisenvorsorge bewegt uns Inselmenschen. Seit Generationen mit der Bedrohung durch das Meer konfrontiert, treten inzwischen weitere Krisenherde ins Bewusstsein. In den Medien ist immer wieder von Sabotage an der Energieerzeugung zu lesen. Wir fragen uns, wie steht es dabei um uns, unsere Familie, unser Haus? Viele im Publikum spüren ein nicht sofort greifbares Unbehagen, sich damit zu beschäftigen.

Auf Einladung des Ortsverbands Pellworm der Bündnis 90/Die Grünen hat Jan Eisfeldt vom landesgeförderten Ausbildungszentrum für Überlebenstechniken in Neumünster am 12.09.2026 in knapp drei Stunden veranschaulicht, was jede Person bereits im Vorfeld tun kann, um sich auf eine Krisensituation vorzubereiten. Er ist seit Jahren in der Katastrophenvorsorge tätig und sehr praxiserfahren. Jan Eisfeld hat immer wieder betont, dass Vorsorge auf Pellworm zwingend notwendig, aber auch sehr gut möglich ist.

Der Referent holte uns gut ab, indem er zunächst kleinteilig, teilweise auch drastisch die praktischen Auswirkungen möglicher Katastrophen (z.B. eines längeren Stromausfalls) beschrieb, um dann aber auch genauso detailliert die Abhilfe vorzustellen.

Er rät, sich für 3 Tage ohne Strom und ohne Fähre vorzubereiten. Es ist nicht notwendig sich teure Notfallausrüstung und Astronautennahrung im Internet zu bestellen. Viel praktischer ist es, die Nahrungsmittel, die gut schmecken und gern gegessen werden, zu bevorraten. Geräte wie Gaskocher sollten unbedingt in regelmäßigen Abständen ausprobiert und nur im Freien verwendet werden.

Im Eisfach kann man nicht vollständig gefüllte Wasserflaschen einfrieren. Diese können bei einem längeren Stromausfall als Kühlakkus für den Kühlschrank dienen, bis die verderblichen Lebensmittel verbraucht sind.

Das Mobiltelefon lässt sich bei einem Stromausfall auf G3 umstellen, damit schont man das sofort überlastete Mobilnetz und hat etwas länger Empfang. Ein Kurbelradio bringt wichtige Infos. Zusätzlich empfiehlt Jan Eisfeldt einfache Funkgeräte, mit denen ein Bürgernotfunk aufgebaut werden kann.

Wer auf Medikamente angewiesen ist, sollte immer einen Vorrat zu Hause haben. Wer Haustiere hat, muss diese ebenfalls in die Planung der Versorgung einbeziehen.

Wir haben auch gelernt, dass es im schlimmsten Fall nur 6 Min von „Kerze fällt um“ bis „Zimmer steht in Vollbrand“ dauern kann. Die Anschaffung von mindestens einem Schaumfeuerlöscher pro Stockwerk ist deswegen ratsam. Schaumfeuerlöscher deshalb, weil bei Pulverlöschern chemische Substanzen bis in die letzte Ritze ziehen und hinterher selbst technische Geräte nicht mehr zu gebrauchen sind. Gibt’s im Baumarkt.

Der Referent Jan Eisfeldt hatte sich in Gesprächen vorab intensiv mit der Situation auf der Insel beschäftigt und äußerte sich anerkennend zum erreichten Stand auf der Insel. Wesentliche Erkenntnis des Nachmittags ist jedoch die Betonung der Selbstverantwortung einer/s jeden Einzelnen. Neben der zu erwartenden Gemeinschaft können alle im Rahmen des Machbaren selbst aktiv werden. Und sich schon jetzt mit den Nachbarn absprechen bzw. zusammenschließen – das sollte auf Pellworm kein Problem sein.

Außerdem kann sich jede Person in einer der Notfallinitiativen auf der Insel wie zum Beispiel Feuerwehr, Deichläufer oder SEG (Erste Hilfe) einbringen. Jedwede Notfallübung ist ein gutes Mittel, Verhaltenssicherheit für den Ernstfall zu bekommen und gleichzeitig mit den eigenen Ängsten und Unsicherheiten umzugehen.

Nützliche Links:

Und hier kannst Du die Präsentation von Jan Eisfeld aus dem Workshop einsehen oder runterladen: