Die Seeadler – Neue Pellwormer Botschafter?  

Seit einigen Jahren hat sich ein junges Seeadlerpaar unsere Insel Pellworm als Revier und die Pellwormer Vogelkoje als neuen Brutplatz ausgewählt. Im letzten Jahr gab es mit einem Küken einen ersten Bruterfolg. Viele Einheimische und Tourist*innen haben das majestätische Gleiten der großen Vögel sowie ihr Jagdverhalten schon beobachten können. Pellworm ist um eine besondere Attraktivität reicher.

Der Seeadler gehört zu den seltenen Wildtierarten Deutschlands! Die Hege der Adler sollte für uns eine Selbstverständlichkeit sein und die Tatsache, dass wir mehrere Brutversuche und nun auch endlich einen Bruterfolg in der Vogelkoje auf Pellworm beobachten konnten, ist ein besonderes Privileg. Aktiver Seeadlerschutz geschieht im Wesentlichen durch den Schutz der Brutplätze.

Das Landesnaturschutzgesetz schreibt hier das Unterlassen jeglicher störender Handlungen in einem Radius von 100m um den Horstbaum vor.

Die Empfehlung der Projektgruppe Seeadlerschutz Schleswig-Holstein, mit der die Gemeinde in engem Kontakt steht, ist einfach: wenn irgend möglich, soll dieser Bereich ganzjährig überhaupt nicht betreten werden! Es ist für den Menschen schwierig, die Störungsintensität seiner Handlung zu beurteilen – zu viel hängt vom Adler, dem Zeitpunkt, der Vegetation usw. ab. Sofern es notwendig ist, können auch größere Bereiche des Horstumfeldes gesperrt werden. Aufgrund der Störungsempfindlichkeit der Seeadler am Brutplatz wird eine Jagdruhezone von mindestens 300m um die Vogelkoje eingerichtet!

Es gibt Stimmen, die die Vogelkoje gern wieder öffnen wollen, um zumindest Teile des Jahres außerhalb der Brutzeit das einzige Waldstück auf Pellworm nutzen zu können. Der Seeadlerbrutplatz auf Pellworm ist aber gemäß Landesnaturschutzgesetz bis auf einen kleinen Randstreifen (5-10 m) ganzjährig zu sperren.

Die Vogelkoje zumindest außerhalb der Brutzeit zugänglich zu machen, könnte die äußerst scheuen Vögel, deren Fluchtdistanz sogar schon bei Annäherung aus 400 bis 500 m beginnt, vertreiben und insofern wieder gefährden. Auch außerhalb der Brutzeit wird der Horst als Rast- und Schlafplatz genutzt; deshalb ist eine ganzjährige Sperrung empfehlenswert und ratsam.

Weitere Argumente zum Schutz der Seeadler und des Brutplatzes wurden bereits in einem Vortrag des Vorsitzenden der Projektgruppe Seeadlerschutz, Günther Kalin, präsentiert.

Also heißt es: mit den Seeadlern leben! Das könnten folgende Maßnahmen unterstützen:

  • Einrichten eines Infostandes im Holzhäuschen am Eingang zur Vogelkoje
  • Spezielle Führungen und Infoveranstaltungen
  • Nestkamera am oder in der Nähe des Horstbaums und digitale Übertragung z.B. auf die Homepage der Gemeinde (so könnten Pellwormer*innen und Gäste überall das Brutgeschehen live verfolgen und daran teilhaben, OHNE zu stören!)

Nur was sich wandelt, bleibt – nehmen wir also dies Geschenk der Natur an und freuen uns gemeinsam über hoffentlich anhaltenden Bruterfolg der Seeadler. Und wer weiß, vielleicht ist der Seeadler eines Tages das neue Pellwormer Wappentier!