29.03.2019

Rede von Hanni zur Klimaschutz-Resolution an die Bundesregierung (TOP 12)

TOP 12 Beratung und Beschlussfassung uber eine Klimaschutz-Resolution an die Bundesregierung

Rede Johann Petersen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

es geht nicht mehr um die Frage, ob der Klimawandel kommt oder nicht, sondern nur noch darum, wie weit er gehen wird. Die Veränderung findet statt, hier, jetzt, während wir hier reden!

Wie die meisten von Ihnen vermutlich wissen, senkt sich ein Großteil unseres Kreisgebiets aus geologischen Gründen um etwa 30 cm im Jahrhundert ab, weshalb die alten Marschen teilweise unter der Hochwasserlinie liegen. Für die Watten, Halligen und Vorländer bedeutet das, dass sie um dieses Maß wachsen müssen, um zu bestehen. Das hat Jahrtausende funktioniert. Jetzt aber müssten die Watten und Halligen, wenn wir von der untersten Schätzung des UN-Klimarats ausgehen, im gleichen Zeitraum mindestens 70, vielleicht sogar 110 cm ausgleichen. Das können sie nicht!

Zudem verlagern sich die Watten, die Sediments-Vorratskammern der Halligen, langsam nach Osten, weshalb die außen liegenden Halligen Langeneß und Hooge nur sehr wenig oder gar nicht wachsen und teilweise schon jetzt unter dem Meeresspiegel liegen. Sogar die großen Außensände beginnen zu wandern, etwa 20 Meter im Jahr. Davon war jetzt keine Zahl erfunden oder übertrieben.

Das alles findet hier und jetzt statt! Es gibt auf den Halligen kein einziges Gebäude und keine Warft, die dem Klimawandel auch nur annähernd standhalten würde.

Die Frage, die ich mir jeden Tag stelle, ist: Was kann man noch tun? Und die Antwort lautet ganz klar: Wir müssen jetzt aktiver werden. Wir müssen unseren Kreis quasi neu erfinden, den Küstenschutz neu denken, überlegen was sinnvoll ist: Tief gelegene Neubaugebiete genehmigen? Die Besiedlung der Halligen muss neu gedacht werden, weg von irrsinnigen Pilotprojekten hin zu klimasicheren Dorfwarften.

Meine Damen und Herren, ich bin nicht naiv genug zu glauben, der Kreis Nordfriesland könne die Welt retten. Können wir nicht. Aber wir sollten es versuchen, wir sollten sofort das bei uns im Kreisgebiet Mögliche tun. Und wir brauchen Hilfe - Öffentlichkeit. Das geht nur mit - ja, das ist ein böses Wort - Populismus. Wir müssen es schaffen, dass jemand, der in München wohnt und an den Klimawandel denkt, an uns denkt, den Kreis Nordfriesland und daran, dass der Verlust eines riesigen Stücks Heimat droht, wenn wir, jeder einzelne, nicht endlich radikal umdenken.

Ich bin ein Hallig-Jung, aber meine Kinder haben sich geweigert, den Hof zu bernehmen. Vielleicht ganz gut so.

Aber ich fahre jeden Tag da raus mit der Lore und mit dem Boot und bringe die Post. Ich lade Sie ein, mich einen Arbeitstag lang zu begleiten. Wissen Sie, wenn ich da stehe und nach Westen gucke, auf die Halligen, Inseln, Sände und Watten, und sehe, wie schön das alles ist, dann denke ich manchmal: Ich bin der letzte! Meine Kinder und Enkel werden das nicht mehr so sehen!

Meine Damen und Herren, ich bin Berufsoptimist, und ich glaube fest daran, dass wir es schaffen können, wenn wir endlich damit aufhören, das Thema zwischen den Parteien zu zerreiben. Es ist ganz einfach viel zu wichtig.

Wir sollten alles geben - nicht für uns, sondern für die Zukunft des Kreises und seiner Bewohner. 

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