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Husum, 23.11.2009

Die Stromlücke ist eine Lüge – 100% Erneuerbare sind möglich

Der Saal war rappelvoll, immer wieder mussten weitere Stühle geholt werden – so viele Zuhörerinnen und Zuhörer waren gekommen, um die neu gewählte Sprecherin für Energiewirtschaft der grünen Bundestagsfraktion Ingrid Nestle in Husum zu hören. Unter dem Titel „Es geht doch – Ohne Kohle und ohne Atom - 100% Erneuerbare Energie sind möglich“ hatte der Grüne Kreisverband Nordfriesland eingeladen.
Ingrid Nestle zeigte auf, wie sich die Grünen die Energieversorgung der Zukunft vorstellen. Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Strom-verbrauch bei mindestens 40% liegen. 10 Jahre später, 2030, soll die Stromversorgung möglichst vollständig erneuerbar sein, bis 2040 dann auch
Wärme und Verkehr vollständig aus Erneuerbaren Energien bestritten werden, etwa durch entsprechende Elektromobilität.

Die Energiefachfrau von der Universität Flesnburg stellte dar, dass sich die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien in nur sechs Jahren mehr als verdoppelt und im Jahr 2007 bereits bei über 15% lag. Dennoch ist klar: Erneuerbare Energien alleine reichen nicht aus! Energieeffizienz und Energieeinsparungen sind die vergessenen Säulen der Energiewende. So stieg der Stromverbrauch seit dem Jahr  2000 von 580 TWh auf 615 TWh im Jahr 2008 sogar noch an, anstatt zu fallen. Das Umweltbundesamt hat bekannt gegeben, dass Deutschland mit mehr Energieeffizienz und wirtschaftlichen Maßnahmen den Stromverbrauch auf 550 TWh im Jahr 2015 reduzieren könnte. In Nordfriesland sind wir mit dem Beschluss, Neubauten des Kreises mindestens im Passivhaus-Standard zu gewährleisten, in die richtige Richtung unterwegs.

Ingrid Nestle stellte klar, dass die Stromversorgung europaweit in entsprechenden Netzen intelligent geregelt werden muss, so dass  immer häufiger der gesamte Stromverbrauch durch Wind- und Sonne gedeckt werden kann. Auf dem großen Kontinent ist immer irgendwo eine sonnenintensive Strahlung tagsüber und der Wind weht immer irgendwo. Somit räumte die Expertin auch mit den Märchen von „Grundlast“ und „Stromlücke“ auf: bei dem geplanten Ausbau der Erneuerbaren Energien auf 40 bzw. letztlich 100% werden Wind- und Sonnenenergie überwiegen. Die jetzt vorhandenen und die jetzt schon nicht mehr zu verhindernden Neubauten von Kohlekraftwerken machen weitere zusätzliche Grundlastkraftwerke vollkommen überflüssig. Was dann noch gebraucht sind variabel zuschaltbare Energiequellen – genau dies sind Kohle- oder Atomkraftwerke aber nicht, wohl aber Pumpspeicherkraftwerke und andere Energiespeicherarten.

Atomenergie kommt für eine sichere Energieversorgung der Zukunft sowieso nicht in Frage, denn die vier wichtigsten Gründe für den Atomausstieg sind seit 2000 noch dringender geworden:
• Sicherheit (man bedenke die Vorfälle in Krümmel, Forsmark, …)
• Endlagerung (Asse II und Morsleben zeigen, wie wenig das Problem gelöst ist)
• Terrorgefahr (11. September 2001)
• Atomkraft in der Hand von Staaten, die zu zerfallen drohen (z.B. Pakistan)
Außerdem blockieren die Forschungsgelder für Atomkraft die Entwicklung und Forschung der Erneuerbaren Energien und damit die Energiewende.

Eine sichere Stromversorgung kann nur auf einem Mix aus erneuerbaren Energien basieren, der einen europaweiten Ausgleich von EE-Stromerzeugung beinhalten sollte. Neben neuen Stromspeichertechnologien und regelbaren Biomasseanlagen und ebensolchen Wasserkraftwerken, sind regelbare solarthermische Kraftwerke im Süden Europas und in Nordafrika eine sinnvolle Ergänzung. Wobei auch in der anschließenden Diskussion deutlich wurde, dass die Energieversorgung der ersten Welt nicht weiter auf dem Rücken der so genannten dritten Welt erfolgen darf.


 

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Freiheit statt Angst! Datenschutzdemo am 11. September in Berlin, Potsdamer Platz, 13:00 Uhr
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