Resettlement ist ein Akt der Mitmenschlichkeit
Husum, 1.3.2010
PRESSEMITTEILUNG
Die Veranstaltung, zu der die Grünen ins Cafè Stellwerk eingeladen haben, war gut besucht. Interessierte, KommunalpolitikerInnen fast aller demokratischen Parteien, die Grüne Landesspitze in Person der Landesvorsitzenden Eka von Kalben und Grüne Flüchtlingspolitiker aus dem Lande waren gekommen, um den Vortrag von Fanny Dethloff zu hören und um zu diskutieren.
Pfarrerin Fanny Dethloff, Flüchtlingsbeauftragte der Nordelbischen Kirche und Bundesvorsitzende des Arbeitskreises Kirchenaysl ist in Nordfriesland keine unbekannte, begleitete sie doch das Kirchenasyl der kurdischen Familie Yardimci in Friedrichstadt im Jahr 2002.
„Hintergrund der heutigen Veranstaltung ist unser Kreistagsantrag, Nordfriesland möge sich an der Kampagne für ein Resettlement-Programm beteiligen.“ so Kerstin Mock-Hofeditz, Initiatorin des Antrages. „Der Antrag wird am 11. März im Arbeits- und Sozialausschuss diskutiert. Wir möchten gerne, dass sich der Kreis, genau wie die Stadt Kiel, für eine aktive Flüchtlingsaufnahme stark macht.“
Kriege, politische Krisen oder andere existentielle Nöte zwingen jedes Jahr tausende Menschen zur Flucht. Einen sicheren Staat können die wenigsten erreichen. Viele Nachbarstaaten der Krisenregionen sind mit der großen Anzahl der Flüchtlinge überfordert und können keinen dauerhaften Schutz bieten sondern allenfalls eine erste Notaufnahme. Eine Rückkehr ist für etliche Flüchtlinge allerdings nicht möglich. So leben sie oft jahrelang in unerträglichen Verhältnissen ohne jede Zukunftsperspektive. Am stärksten leiden unter den Verhältnissen Kinder, alte Menschen, alleinreisende Frauen oder Traumatisierte.
Gerade für diese besonders schutzbedürftigen Gruppen kann ein Resettlement-Programm eine Perspektive bieten. Der UNHCR vermittelt Flüchtlinge aus den
Erstzufluchtstaaten in aufnahmebereite Staaten, in denen die Betroffenen einen dauerhaften Aufenthalt, Sicherheit und eine Zukunftsperspektive finden. Unsere skandinavischen Nachbarn nehmen neben den USA und Kanada seit langem jährlich eine bestimmte Anzahl Flüchtlinge im Rahmen von Resettlement-Programmen auf. Auch Großbritannien, Irland und Portugal haben sich inzwischen zur regelmäßigen Aufnahme von Flüchtlingen bereit erklärt.
Bisher wurden in Deutschland zwar immer wieder größere Flüchtlingsgruppen aufgenommen, dauerhafte Aufnahme gab es jedoch nur für Wenige. Bosnische Flüchtlinge Anfang der 90er und Flüchtlinge aus dem Kosovo Ende der 90er erhielten nur vorübergehende Aufenthaltserlaubnisse mit zahlreichen einschränkenden Auflagen wie Kasernierung, Residenzpflicht und Versorgung mit minimalen „Sachleistungen“. Nach Beendigung der jeweiligen Kriege sollten sie in ihre zerstörten Länder zurückkehren, in denen alles andere als Sicherheit und Frieden herrschten.
„Diese Flüchtlingspolitik, die von einem kurzen, stark reglementierten Aufenthalt ausging, führte in der Folge zu dramatischen Abschiebefällen, zerrissenen Familien und Perspektivlosigkeit für hier aufgewachsene Kinder und Jugendliche, sowie zur Re-Traumatisierung zahlreicher Menschen, die die Erlebnisse im Krieg oder auf der Flucht zu verarbeiten hatten.
Resettlement setzt der kurzlebigen restriktiven Aufnahmepolitik eine dauerhafte Aufnahme mit der Chance auf gesellschaftliche Teilhabe und Zukunftsperspektive im Aufnahmeland entgegen.“ berichtet Pfarrerin Fanny Dethloff.
„Wer aus seinem Land flieht, hat einen Grund – und es ist nicht das bessere Leben. Es ist das nackte Überleben. Es sind Klimaverschiebungen, schlechtes Auskommen, Hunger, Naturkatastrophen. Es sind Gemeinschaften, die Hunger leiden und unter den Ihren jemanden auswählt, der die Verantwortung für die anderen trägt, um Geld zu schicken.
Bei der jetzigen Weltwirtschaftskrise sind Hunderte von Milliarden da, um die Banken zu sichern. Für Hungernde, effiziente Hilfe, Schuldenausgleich armer Länder, für Klimaschutz und globale Gerechtigkeit bleiben nur wenige Anstrengungen und hehre Worte übrig. An den EU-Außengrenzen wird unser Wohlstand um jeden Preis verteidigt. Tausende von Toten kostet das. Ohne Namen, ohne Registrierung. „Lasst keinen Menschen nach Europa rein“: So scheint die Devise zu sein. Aber die Scham derer, die wach sind in Europa, steigt.“
„Mit der gezielten Aufnahme von Menschen in einem Resetllement-Programm können wir ein Zeichen setzen und wenigstens einigen die Chance auf eine lebenswerte Zukunft geben.“ resümiert Grünen-Fraktionsvorsitzender Uwe Schwalm.










