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Irrweg der CO2-Speicherung verlassen: Nordfriesland ist keine Treibhausgasdeponie

Husum, 5. September 2008


Die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken ist ökologisch und ökonomisch ein Irrweg.

Die nordfriesischen Grünen haben gemeinsam mit anderen einen Antrag auf dem nächsten Landesparteitag eingebracht, in dem sie die Landesregierung auffordern, den Plänen von RWE für eine Speicherung von CO2 in Schleswig-Holstein aus dem Betrieb von Kohlekraftwerken und für die dafür vorgesehenen Explorationsbohrungen in Ostholstein und Nordfriesland eine klare Absage zu erteilen.


Mit der CCS-Technik (Carbon Capture and Storage) soll Kohlendioxid aus den Abgasen von Kohlekraftwerken abgetrennt und unterirdisch gespeichert werden. Als Speicherort eignen sich ausgebeutete Erdgas- oder Erdölfelder sowie tiefliegende Aquifere und Kavernen in störungsfreien tiefliegenden Erdschichten aus Salz und Ton, wie sie vor allem in der norddeutschen Tiefebene zu finden sind. Zur Einlagerung wird das Gas verflüssigt und in unterirdischen Pipelines oder Tanklastern bzw. Schiffen zum Speicherort transportiert. RWE plant, eine solche Pipeline für Abgase aus neu errichteten Braunkohlekraft- und Kohlekraftwerken in NRW nach Schleswig-Holstein zu bauen, um dann das CO2  möglicherweise in Nordfriesland zu lagern. Es soll dazu seismologische Untersuchungen und Erkundungsbohrungen geben.

Grünen-Sprecherin Mock-Hofeditz: „Die CO2-Abscheidung aus den Abgasen von Kohlekraftwerken ist technisch machbar. Eine sichere Lagerung ist allerdings nicht gewährleistet. CCS ist eine Risikotechnologie. CO2 kann in Verbindung mit Wasser sehr aggressiv sein und Beton und Stahl angreifen. In Norwegen, wo das CCS-Verfahren praktiziert wird, hat sich das verklappte Kohlendioxid vereinzelt durch die deckenden Tonschichten gefressen. Eine sichere Lagerung kann also nicht garantiert werden. Bei CO2-Austritt in das Grundwasser würde dieses versauern und Trink- und an die Oberfläche tretendes Wasser verseuchen. Zudem ist CO2 schwerer als Luft und kann sich in tiefer liegenden Geländeteilen sammeln – mit möglicherweise tödlichen Folgen für die Bevölkerung.“

Andreas Tietze, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Nordfriesland, ergänzt: „Nordfriesland lebt in besonderem Maße vom Tourismus und damit vom Besuch der Menschen, die Erholung und Wiederherstellung Ihrer Gesundheit in einer intakten Natur- und Kulturlandschaft suchen. Eine CO2-Verklappung würde diesem wichtigen Wirtschaftszweig dauerhaft schaden und dem Land eine entscheidende ökonomische Basis rauben. Nordfriesland ist keine Treibhausgasdeponie und auch nicht das Versuchslabor der großen Energiekonzerne.

Die CO2-Abscheidung dient lediglich der Legitimation, neue Kohlekraftwerke zu bauen –aber diese Technik ist nicht erprobt, sie verschlechtert den Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken. Der Strompreis für Kohlestrom würde sich verdoppeln. Erneuerbarer Strom ist nicht nur die sauberere, sondern auch die billigere Alternative. Gerade wir in Nordfriesland setzen auf Energie aus Wind und Sonne, und nicht auf Augenwischerei bei der Nutzung von Kohle.“

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