Ganze 5 Landwirte terrorisieren Eiderstedt

- Friedliches Idyll bis zum nächsten Knall...
Husum, 15. Dezember 2007
Pressemitteilung
Auf Eiderstedt gärt es – immer mehr Menschen sind genervt von der ständigen Knallerei in ihrer unmittelbaren Umgebung, die zwar den Wildgänsen auf den Äckern und Wiesen gilt, aber alle hörenden Lebewesen betrifft. Jedes Jahr im Herbst mit Rückkehr der Wildgänse aus den Brutgebieten in Sibirien werden von jetzt noch fünf Landwirten die Kanonen ausgepackt und der Kleinkrieg auf Eiderstedts Fennen beginnt. Seit bekannt wurde, dass ein Landwirt aus Westerhever nach einem Zivilprozessverfahren 7000,- € Schmerzengeld wegen der gesundheitsschädigenden Wirkung des Lärmes an einen Kläger zahlen musste und jeder weitere Schuss eine Geldstrafe von 10.000,- € nach sich zieht, haben wohl viele andere Landwirte mit der unsinnigen Knallerei aufgehört.
Nun haben es viele Menschen satt: seit acht Jahren beschweren sie sich bei den betreffenden Bauern, sie waren immer wieder beim Ordnungsamt; ihre Beschwerden füllen mittlerweile mehrere Aktenordner, sie haben Gerichte und Anwälte beschäftigt und Unterschriftenlisten mit über 500 Unterzeichnern wurden eingereicht – alles erfolglos. Doch nun reicht es ihnen – über dreißig Personen haben einzeln oder in Gruppen Strafanzeige gestellt gegen die Verantwortlichen des Ordnungsamtes in Garding.
Ihre Vorwürfe im Einzelnen:
- Die gasbetriebenen Knallapparate werden in den Vogelschutzgebieten Westerhever, Poppenbüll, Kotzenbüll und an anderen zahlreichen Standorten Eiderstedts, die zum Teil aufgrund der noch anstehenden Klage der EU den Status eines "faktischen Vogelschutzgebietes" haben, verwendet.
- Diese Vergrämung streng geschützter Arten, zu denen auch die Nonnengans zählt, ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht zulässig und kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Sie ist sogar nach Bundesnaturschutzgesetz dann eine Straftat, wenn die Störungen der Arten gewerbsmäßig begangen werden – dies ist der Fall, denn es handelt sich um erwerbsmäßig betriebene Landwirtschaft.
- Knallapparate beeinträchtigen nicht nur selektiv die besonders geschützten Gänsearten, sondern auch alle weiteren nach der Vogelschutzrichtlinie geschützte Vogelarten wie z. B. den Goldregenpfeifer. Sie wirken sogar bis in den angrenzenden Nationalpark Wattenmeer hinein.
- Weiterhin verstoßen diejenigen Landwirte, die EU-Mittel für den Vertragsnaturschutz erhalten, gegen Auflagen der Duldung der Vögel und die dafür mit hohen Subventionen entschädigt werden. Denn ihnen ist es ausdrücklich verboten, absichtlichen NATURA 2000 Lebensräume zu beeinträchtigen. Wenn also Landwirte, die Direktzahlungsempfänger sind, auf ihren Flächen im Vogelschutzgebiet solche Gasknallkanonen als Vergrämungsapparate installieren, verwenden sie die EU-Mittel auflagenwidrig und missbräuchlich. Dies gilt auch für Flächen außerhalb der Schutzgebiete, da je nach Windrichtung die Lärmwirkung aus einem Umkreis von bis zu 10 Kilometern in die gemeldeten NATURA 2000 Gebiete getragen wird.
Der Betrieb der Knallapparate, so die Ansicht der Eiderstedter Bürgerinnen und Bürger in ihren Anzeigen weiter, wäre vom Ordnungsamt Garding entsprechend den Vorgaben der EU-Vogelschutzrichtlinie zu unterbinden gewesen.
Neben der Beeinträchtigung der NATURA 2000 Gebiete werde vom Ordnungsamt in Garding aber auch die schädigende Wirkung der Gasknallkanonen auf die Gesundheit der Bürger Eiderstedts billigend in Kauf genommen, denn das Ordnungsamt blieb bislang völlig untätig.
Zu allem Ärger kommt für die Menschen noch die Erkenntnis hinzu, dass sie völlig unnütz dieser Lärmbelastung ausgesetzt sind. „Es ist seit langem bekannt und wissenschaftlich belegt, dass Gasknallkanonen als Vergrämungsmaßnahme ungeeignet sind.“ so Andreas Tietze, Fraktionsvorsitzender der Grünen Kreistagsfraktion. „Bleibt zu hoffen, dass die Staatsanwaltschaft nun durchgreift und den unsinnigen, unwirksamen Lärm für die geplagten Menschen abstellt.“
„Es ist traurig, wie hier mit den Auflagen des Naturschutzes umgegangen wird – anstatt den Reichtum und die Schönheit der ziehenden und rastenden Wildgänse zu begreifen, werden sie in sinnloser Weise bekämpft.“ resümiert Kerstin Mock-Hofeditz, Sprecherin der nordfriesischen Grünen. „Über die Wirkung von Schiess-Lärm auf die menschliche Gesundheit und auf die Psyche ganz zu schweigen.“







