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Etikettenschwindel mit verheerenden Auswirkungen für die Natur

Ausgetrockneter Graben auf Eiderstedt 12. Mai 2008 (Foto: Jürgen Nelting, Abdruck frei)

An diesem Wochenende hat die größte Trauerseeschwalben-Kolonie Eiderstedts, die im vergangenen Jahr immerhin noch 12 Brutpaare der insgesamt 36 Trauerseeschwalben-Paare beherbergte, aufgegeben. Dafür werden die Zerstörung des Biotops durch Trockenlegung der Gräben und die ewigen unsinnigen Vergrämungsmassnahmen verantwortlich gemacht.

Die Gräben im Bereich der Brutkolonie sind knochentrocken bzw. nur noch mit feuchtem Schlick gefüllt (siehe Bild). Dies wird zwar auch durch die anhaltend trockene Witterung verursacht, aber vor allem durch ein sich ausschließlich an den Bedürfnissen der Ackerbauern orientierendes Wassermanagement seitens der Deich- und Sielverbände.

„Auf Anfrage unserer grünen Landtagsfraktion hat die Landesregierung Daten vorgelegt, aus denen eindeutig hervorgeht, dass die Wasserstände in Westerhever seit 2000 während der Brutzeit abgesenkt wurden. Einhergehend hat der Bestand der Trauerseeschwalbe bedrohlich abgenommen, da sie ihre Nahrungsgewässer verlieren. Auch Kiebitze können ihre Jungen nicht mehr an die nassen Grabenränder führen, um im Boden nach Fressbarem zu stochern. Amphibien und Fische kommen um.“ so Kerstin Mock-Hofeditz, Sprecherin der Grünen Nordfriesland.

Der Vertragsnaturschutz beinhaltet die Entfernung der Zäune, damit das Vieh an den mit Wasser gefüllten Gräben den hohen Schilf- und Grasbewuchs an den Rändern abfressen  kann, so dass die Trauerseeschwalben ungehindert über die Gräben fliegen können, um Insekten zu fangen. Sind die Gräben zu trocken, können die Kühe weglaufen, so dass die Landwirte jetzt gezwungen sind, neue Zäune zu errichten. Dies kostet Geld und stört die brütenden Vögel.

Auch weitere vermeidbare menschliche Störungen bleiben nicht aus: So rollten in Westerhever die Bagger des Deich- und Hauptsielverbandes Garding im Sommer 2007 selbst bis in die direkte Nähe von zwei Trauerseeschwalben-kolonien und räumten mitten in der Brutzeit Gräben und Sielzüge mitsamt Bewuchs und Röhricht ab.

Darüber hinaus werden Nonnengänse im Bereich Westerhever immer häufiger von den Landwirten von deren Flächen verjagt. Die Tiere sind dadurch generell unruhiger und fliegen vermehrt auf. Dies hat zur Folge, dass die in der unmittelbaren Umgebung brütenden Seeschwalben, Kiebitze, Uferschnepfen und andere Wiesen-Brutvögel auch unruhig sind und häufig von den auffliegenden großen Gänsetrupps quasi „mitgerissen“ werden.

Die Trauerseeschwalbe zeigt mehr als deutlich, wie dringend ein wirksamer Schutz ihres Lebensraumes ist, im vergangenen Jahr war die Zahl der Brutpaare auf Eiderstedt bereits auf 36 gesunken. Dies ist ein historischer Tiefststand nach ursprünglich einmal 800 Brutpaaren.

Doch die Landesregierung verliert sich in Auseinandersetzungen mit der EU, darum, wie sie ein möglichst kleines Vogelschutzgebiet ausweisen kann, anstatt zum Wohle der bedrohten Vögel zu handeln. Die CDU brüstet sich damit, möglichst wenig Naturschutz auf Eidersedt zu betreiben.

Aufgabe eines UMWELTministers wäre es, hier einzugreifen. Wasserhaushaltsgesetz und Landeswassergesetz machen klare Vorgaben, dass eine Beeinträchtigung von Schutzgebieten zu vermeiden ist.

Die Landesregierung muss endlich handeln - insbesondere die fortschreitende Absenkungen von Wasserständen, das Zunehmende komplette Trockenfallen von Gräben, der immer weiter um sich greifende Umbruch von Grünland und die Vergrämung durch Knallkanonen sind auf Eiderstedt noch immer an der Tagesordnung und richten große Schäden an.

Derzeit ist in Bonn die Welt zu Gast um über den Schutz verschwindender Arten zu diskutieren – zeitgleich verlieren hier bei uns die letzten Trauerseeschwalben ihren Lebensraum.“ so Andreas Tietze, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN im Kreistag.

 

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