Ein gentechnikfreies Eiderstedt ist möglich!
Die GRÜNE Veranstaltung zu „Gentechnik in der Landwirtschaft – welche Chancen bietet ein gentechnikfreies Eiderstedt?“ am 6. Juni 2007 um 20 Uhr im Handelskrug, Dorfstraße, in Oldenswort war mit knapp 40 ZuhörerInnen erstaunlich gut besucht, trotz schönem Sommerwetters, diverser anderer Veranstaltungen zur gleichen Zeit und Fußball im Fernsehen.
Detlef Matthiessen, Agrarpolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, führte ins Thema ein: Nur fünf Länder auf der Welt (davon USA mit 63% und Argentinien mit 14%) bauen 98% der Flächen mit Gentechnisch Veränderten Organismen (GVOs) an. Hauptanbaufrüchte sind GVO-Soya (55%), -Mais (11%), -Raps (16%) und -Baumwolle (21%). Allein diese machen 70 Mio Hektar weltweit aus. GVO-Tomaten, -Kartoffeln und -Tabak wurden bereits wieder vom Markt genommen.
77% der GVO tragen die Merkmale für Herbizidresistenz (z.B. gegen Roundup = Glyphosphat und gegen Basta – der Name ist hierbei Programm), 15% für Insektizidtoleranz (gegen Bazillus thuringiensis, wie der bekannte BT Mais), weitere 8% sind eine Kombination aus beidem.
Die Gentechnikgesetzgebung ist kompliziert und beruht zum Teil auf dem Nachbarschaftsrecht vom Beginn des letzten Jahrhunderts.
Bernd Voss, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft berichtet, dass in Deutschland derzeit „nur“ 0,06% der Ackerfläche mit GVOs bebaut werden, dennoch weißt Honig aus Bayern zum Teil mehr als 4% an GVO-Pollen auf. In Europa ist der Anbau von GVOs seit 10 Jahren möglich, es gab allerdings ein fünfjähriges Moratorium. Landwirte und VerbraucherInnen wollen keine GVOs.
Insbesondere beim Saatgut besteht dennoch eine große Unsicherheit und Gefahr – der Grenzwert liegt derzeit bei 0,9% GVOs in der Saat bevor Kennzeichnungspflicht besteht, was aber z.B. beim Mais 2,5 Pflanzen pro Quadratmeter bedeuten würde, die zulässig sind ohne dass die Saat als GVO gekennzeichnet sein müsste.
Besondere Gefahren birgt GVO-Raps, da Rapspollen einen Verbreitungsradius von 26 km haben und sich besonders leicht in andere verwandte Arten einkreuzen. Sobald es hier Freisetzungen ins Freiland gäbe, wäre ein für immer unwiderbringlicher Zustand der Freiheit von Gentechnik verloren.
Bereist 90 deutsche Kommunen und Regionen haben sich als Gentechnikfrei erklärt. Einer Fläche von 3.400 ha GVO-Mais in Deutschland steht eine Fläche von mehr als 1.000.000 ha erklärter Gentechnikfreier Zone gegenüber. Über 30.000 landwirtschaftliche Betriebe haben sich bislang als gentechnikfrei erklärt.
Eine Region kann sich gentechnikfrei erklären, wenn 70% ihrer Fläche garantiert frei von GVOs ist. Es ist aber auch möglich, zunächst eine Initiative zu starten und über einen längeren Zeitraum für die Gentechnikfreiheit zu werben. Weiterhin können Landwirte aber auch lediglich für ihre eigenen Flächen eine Verpflichtungserklärung für jeweils ein Jahr unterzeichnen. Verpflichtungserklärungen sind erhältlich beim Kreisverband der Grünen Nordfriesland unter kv.nordfriesland(at)gruene.de.
Dr. Ina Walenda, Agrarreferentin beim BUND Schleswig-Holstein, beschrieb die Folgen der Gentechnik: Entgegen dem einstigen Hauptverkaufsargument der Biotechnologie-Konzerne, nämlich mit gentechnisch veränderten Kulturpflanzen einen sinkenden Verbrauch an Pflanzenschutzmitteln zu bewirken, steige der Verbrauch sogar an. Dies belegten Studien aus den USA. Auch gentechnisch veränderte Pflanzen mit der Eigenschaft „Insektenresistenz“ wie der sogeannnte Bt-Mais würden nicht ohne Pestizide angebaut.
Bei der Gentechnik gehe es darum, Monokulturen mit einem hohen Mechanisierungsgrad zu ermöglichen, die Industrialisierung der Landwirtschaft noch weiter voranzutreiben. Dies habe negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt wie Verschlechterung der Grundwasserzustands, einen Rückgang der Artenvielfalt und Resistenzentwicklungen gegenüber Pflanzenschutzmitteln von Kräutern und Gräsern. Aus den USA wird von Super-Unkräutern berichtet, die auf GVO-Äckern durchbrechen und nicht zu bekämpfen sind. Umweltfreundliche Anbauverfahren wie der Öko-Landbau werden unmöglich gemacht.
In den USA kam es im letzten Jahr zu einem massiven Bienensterben – dort sind 40% der Maisflächen mit GVO bewachsen.
Ratten zeigten nach dem „Genuß“ von GVO-Mais Schäden an Nieren und Leber.
Scharfe Kritik übte Ina Walenda am Zulassungsverfahren: so seien die Hersteller für die Studien selber verantwortlich und bei den Zulassungsbehörden gäbe es keine verbindlichen Regeln für die Tests. Fütterungsversuche an Tieren seien nicht übertragbar auf den Menschen. Es werden nur isolierte Proteine getestet, nicht jedoch die gesamte gentechnisch veränderte Pflanze. Langzeituntersuchungen fehlten. Auswirkungen auf Umwelt und Natur wären bislang irrelevant im Zulassungsverfahren.
Carola Ketelhodt , Geschäftsführerin des BIOLAND Schleswig-Holstein, ergänzt: schon heute hat der Gentechnik-Anbau massive Auswirkungen auf die Bio-landwirtschaft. Biobauern aus Spanien werden ihre Produkte auf dem europäischen Markt nicht mehr los, seit dem dort viel GVOs angebaut werden. Der Babykost-Hersteller Hipp hat sich ganz aus Mecklenburg-Vorpommern verabschiedet, seit dort so zahlreiche Freisetzungsversuche mit GVOs geschehen. Er bezieht sein Bio-Gemüse jetzt überwiegend aus Polen.
Auch die Landwirtschaftskammer rät ihren Landwirten nicht dazu, GVOs anzubauen
Ein Problem ist der Anbau von Mais für Biogas-Anlagen, da dort die Sensibilität der Menschen geringer sei, da GVO-Mais für die Energiegewinnung kein Nahrungsmittel sei. Die Auswirkungen auf die Umgebung sind aber genau die gleichen
Es folgte ein lebhafte Diskussion. Moderator Uwe Schwalm von der grünen Kreistagsfraktion hofft auf eine sich nun vielleicht bildende Initiative für ein gentechnikfreies Eiderstedt.










