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Bestehendes Vogelschutzgebiet nicht entwerten

Karl-Martin Hentschel und Jürgen Nelting beobachten Nonnengänse

Husum, 22. Oktober 2007

Die nordfriesischen Bündnisgrünen luden zu einem zweiten Ateliergespräch nach Westerhever ein. Seit 1995 stellen Monika und Jürgen Nelting regelmäßig den verschiedensten Organisationen zu den Themen des Umweltschutzes, der Nachhaltigkeit und der Modernen Kunst ihr Atelier, mitten im Vogelschutzgebiet, gern zur Verfügung – gekommen waren neben dem Fraktionsvorsitzenden der grünen Landtagsfraktion, Karl-Martin Hentschel, VertreterInnen der verschiedenen Naturschutzverbände und einige Landwirte.

Claus Ivens, Landwirt und seit mehr als 50 Jahren für den Schutz der Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt engagiert, führte in das Thema ein. „Wir können Trauerseeschwalben zur Zeit nur mit künstlichen Nisthilfen hier halten - die Bedingungen haben sich durch die Veränderungen in der Tierhaltung und im Wassermanagement so verändert, dass auf natürliche Weise in den Tränkekuhlen keine kleinen Brutinseln mehr entstehen, auf denen die Vögel ihre Nester anlegen können.“

Die Landesregierung hat im vergangenen Jahr drei kleine Teilbereiche Eiderstedts als Vogelschutzgebiete ausgewiesen, um die Bruthabitate der Trauerseeschwalben zu schützen und den Forderungen der EU nachzukommen. „Beides ist nicht gelungen – wir erwarten die Klage der EU noch in diesem Herbst, weil das Vogelschutzgebiet viel zu klein ist – und der Trauerseeschwalben-Bestand einen historischen Tiefstand erreicht hat.“ resümiert Frank Matthiessen von den Eiderstedter Grünen.

Eine der Ursachen ist der massive Grünlandumbruch der vergangenen Jahre. Auf vielen Flächen, die zuvor noch als Weiden dienten und von Wiesenvögeln gerne zur Brut genutzt wurden, wird heute Mais angebaut. Die Grünen hatten dazu eine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Obwohl die Datengrundlagen aus den verschiedenen Jahren nicht optimal aufeinander abgestimmt sind, ist für Eiderstedt ein Rückgang des Dauergrünlandes in der Zeit von 2000 bis 2007 um mehr als sechs Prozent auszumachen. Die EU kann ein Umbruchsverbot aussprechen, wenn der Rückgang 5% übersteigt.

Grünlandumbruch hat schwerwiegende Auswirkungen: so leiden sämtliche Wiesenbrüter, wie Rotschenkel und Uferschnepfe, unter dem Verlust ihrer Brutgebiete und Rastvögel, wie Gänse, Kiebitze, Goldregenpfeifer, Große Brachvögel und Möwen verlieren im Winterhalbjahr einen Teil ihrer Nahrungsflächen. Viele Vogelarten sind auf das Grünland angewiesen, so dass der extensiven Weidewirtschaft ein besonderer Schutz gebührt – der gleichzeitig dem Tourismus dient, da gerade die grünen Wiesen Eiderstedts anziehend für erholungssuchende Menschen sind.

In der Diskussion wurde deutlich, dass scheinbar selbst in dem heute schon bestehenden Vogelschutzgebiet rund um die Gemeinde Westerhever gegen Auflagen verstoßen wird.

„Uns wurde berichtet, dass im Vogelschutzgebiet offenbar Grünland umgebrochen wurde, Gänse mit Knallapparaten vergrämt wurden, der Wasserstand abgesenkt worden ist und Gräben sogar mitten in der Brutzeit ausgebaggert worden sind, weiterhin sei Salzwasser in Süßwassergräben eingeleitet worden: Fische und Amphibien - Fauna und Flora wurden vernichtet. “ so Karl-Martin Hentschel.

„Wir werden dies in einer weiteren kleinen Anfrage an die Landesregierung klären. Es kann nicht sein, dass in einem Schutzgebiet die Bedingungen so verändert werden, dass die zu schützenden Vögel dort beeinträchtigt werden und gleichzeitig von der öffentlichen Hand Förderungen für den Schutz gezahlt werden.“

 

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